Gnothi seauton – Erkenne Dich selbst

Schon vor über 2000! Jahren erkannten bereits die alten Griechen wie wichtig es für uns Menschen ist, dass wir uns selbst verstehen und unsere eigenen Grenzen als Ausgangspunkt für unsere persönliche Weiterentwicklung betrachten.

Die Grundzüge dieser Sicht gehen zurück auf Heraklit, der bereits um 550 v. Chr. formulierte: „Allen Menschen ist zuteil, sich selbst zu erkennen und verständig zu denken.“ Später wurde dieser Gedanke von Sokrates, Aristoteles und Platon weitergeführt.

Jetzt zögere ich einen Moment. Katja Suding an dieser Stelle in die Reihe der alten griechischen Philosophen zu bringen, erscheint doch etwas gewagt. Aber: Ihre Entscheidung, sich mit ihrer individuellen Persönlichkeit auseinanderzusetzen, zeigt auf jeden Fall, dass sie genau diese Erkenntnis der Griechen verinnerlicht hat und persönlich verfolgt. Ob man in 2000 Jahren auf Zitate von Katja Suding zurückgreift, wird die Geschichte zeigen…

Jedenfalls freue ich mich, dass sich Katja Suding bereit erklärt hat, Ihre Erkenntnisse und Erfahrungen aus unserem Reiss Profile Auswertungsgespräch im Rahmen eines Interviews mitzuteilen – und sehr anschaulich, wie ich finde.

 

Sascha Adam (SA): Katja, wir haben vor einiger Zeit Dein persönliches Reiss Profile besprochen. Mein Eindruck ist, dass Du von vielen Menschen als authentisch wahrgenommen wirst. Was bedeutet Authentizität für Dich?
Katja Suding (KS): Wenn man in der Öffentlichkeit, viel auf Bühnen steht, ist das natürlich nicht immer ganz einfach. Trotz der Rolle, die man auch spielen muss, dennoch genug von der Persönlichkeit preiszugeben. So dass das, was man sagt, auch das ist, was man denkt. Ich glaube, das ist eine große Herausforderung. Daran arbeite ich immer und das scheint doch manchmal auch zu gelingen.
SA: Was hat Dich dazu bewogen, Dein Reiss Profile erstellen und analysieren zu lassen?

KS: Ich habe viele Alltagssituationen, die durchaus Herausforderungen mit sich bringen. Da war es mir wichtig, einmal überprüfen zu lassen, warum ich manchmal an meine Grenzen stoße, warum ich das Gefühl habe, dass ich vor einer großen Herausforderung stehe, warum ich in anderen Situationen aber überhaupt keine Schwierigkeiten habe und es mir sehr leicht fällt. Da hilft das Reiss Profil, um zu wissen wo Stärken und Schwächen liegen und was bestimmte Motivationen sind.
SA: Würdest Du eine Erkenntnis, die Du über Dich gewonnen hast, mit uns teilen?
KS: Ich glaube ein ganz starker Wert war mein niedriger Wert, was die emotionale Ruhe angeht. Ich hatte eine Ahnung, dass das so sein würde. Ich bin jemand, der ständig auf der Suche nach neuen Herausforderungen ist. Erst dann bin ich wirklich zufrieden, erst dann ruhe ich in mir. Das ist eigentlich ein Gegensatz auf den ersten Blick. Aber das ist sicherlich etwas, was ganz stark ist.

Und was mir auch noch einmal klar das Signal gegeben hat, dass ich da auf dem richtigen Weg bin. Und mit dem, was ich gerade vor habe hier in Hamburg, aber auch im Bund mit meiner Partei, da wahrscheinlich genau die Richtige bin, um die Herausforderungen, die vor uns liegen, auch zu meistern.

SA: In welchen konkreten Alltagssituationen hat Dir die Analyse Deines Profils geholfen und Dich weitergebracht?
KS: Wenn man sich mit seinem eigenen Profil beschäftigt, dann lernt man sehr viel darüber, wie unterschiedlich Motive innerhalb einer Person ausgeprägt sind. Und man weiß dann natürlich auch, dass das auch bei jedem anderen so ist. Also alle Menschen mit denen ich zu tun habe, haben auch ihre unterschiedlichsten Ausprägungen.

Wenn es dann Situationen gibt, wo man den anderen nicht verstehen kann oder wo es auch Konflikte gibt, dann denke ich jetzt auch immer öfter darüber nach, welche Motive ihn oder sie zum jeweiligen Handeln bewogen haben.

Es erhöht einfach die Toleranz und macht mich dann auch in schwierigen Situationen einfach gelassener, ist also für meine Mitmenschen und das tägliche Leben eine große Erleichterung.

SA: Kürzlich hat die taz mit Dir ein, wie ich finde, sehr interessantes Interview geführt. Und ich musste zwischendrin, während ich es gelesen habe, immer wieder schmunzeln, weil ich den Eindruck hatte, dass der Interviewer sehr überrascht war. Zum Einen über die Klarheit, die Du über Dich selbst hast und zum Anderen aber auch hatte ich den Eindruck, dass er Widersprüche in Aussagen von Dir gesehen hat.

Zum Beispiel sagtest Du, dass Du Neugier befriedigen und stillen musst, um Ruhe zu finden. Da hat man die Fragezeichen bei dem Interviewer regelrecht gesehen, wenn man den Text gelesen hat. Aus meiner Sicht aber kann man Individualität gar nicht besser auf den Punkt bringen.

Es zeigt auch gleichzeitig wie sehr immernoch in Schubladen gedacht wird, wie Menschen in einzelne Schubladen gepackt werden. Aber es ist eben nicht die Realität.

Die Frage ist, inwieweit hat die Beschäftigung mit Deinem Profil Dir dabei geholfen, diese Klarheit über Dich zu finden?

KS: Wenn man sich damit beschäftigt, ist es natürlich auch viel leichter, es auszudrücken. Das hat mir schon geholfen. Ich habe meinem Interviewpartner auch versucht zu erklären, dass für mein Leben oder für meine Zufriedenheit es ganz ganz wichtig ist, dass ich viele Herausforderungen habe. Also, dass in meinem Leben ganz ganz viel los ist, viel Unruhe da ist. Natürlich ist das auf den ersten Blick paradox, aber wenn man meine persönlichen Motivationen zugrunde legt, ist das absolut logisch und dann kann gar nichts anderes dabei rauskommen.
SA: Zum Schluß noch die Frage, wen würdest Du nominieren, den es weiterbringen würde, sich mit seinem Profil zu beschäftigen?
KS: Ich glaube da würden mir eine ganze Menge einfallen. Ich nenne mal eine ganze Gruppe, und die umschreibe ich mit dem politischen Gegner oder auch dem politischen Mitbewerber. Ich glaube, dem würde das auch helfen.
SA: Das habe ich mir fast gedacht. Vielen Dank, Katja, dass Du so offen warst und über Deine Erfahrungen gesprochen hast. Aus meiner Sicht könnte es der Politik tatsächlich gut tun und es würde zu mehr Authentizität führen, was aus meiner Sicht die Menschen auch fordern und sich auch wünschen würden.